GGL-Marktdaten 2024 – Was die Zahlen wirklich sagen

Der GGL Marktmonitor Online-Glücksspiel 2025 ist da, und wer die Quartalszahlen der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder in Ruhe durchliest, findet darin mehr als bloße Statistik. Zum ersten Mal können deutsche Spielerinnen und Spieler nachvollziehen, wie sich ihr Geld innerhalb des regulierten Marktes bewegt – also jenes Segments, das unter dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 lizenziert wurde und auf der GGL Whitelist lizenzierter Anbieter in Deutschland geführt wird. Das Bild, das sich dabei ergibt, ist widersprüchlich. Und an einer Stelle geradezu überraschend.

Virtuelle Slots legen zu, während der Markt insgesamt schrumpft

Die Gesamteinsätze über alle erfassten Segmente hinweg sind von über 3,5 Milliarden Euro im ersten Quartal 2025 auf rund 3,2 Milliarden Euro im zweiten Quartal gesunken. Das ist ein deutlicher Rückgang. Wer daraus aber schließt, das regulierte iGaming verliere in der Marktentwicklung generell an Boden, übersieht eine Verschiebung innerhalb der Zahlen. Die virtuellen Automatenspiele in Deutschland haben ihren Anteil an den Einsätzen ausgebaut: von 1,1 Milliarden Euro in Q1 auf 1,12 Milliarden Euro in Q2 2025. Absolut gesehen ist das keine dramatische Bewegung, doch relativ zum schrumpfenden Gesamtmarkt ist es ein klares Signal. Spieler, die dem lizenzierten Angebot treu bleiben, greifen immer öfter zu Slot-Formaten.

Online-Poker geht den umgekehrten Weg. Die Einsätze fielen von 204 Millionen Euro auf 184 Millionen Euro, also um rund zehn Prozent innerhalb eines einzigen Quartals. Dieser Online-Poker-Rückgang im regulierten Markt lässt sich saisonal erklären – aber ich tendiere zu einer anderen Lesart. Poker verlangt Zeit, Konzentration und eine gewisse Bereitschaft, sich mit anderen Spielern zu messen. Viele der Malta-lizenzierten Anbieter, die früher deutschen Traffic abgefangen haben, sind inzwischen aus dem unregulierten Bereich verschwunden oder haben sich um eine GGL-Lizenz bemüht. Dass trotzdem weniger gespielt wird, deutet eher auf eine strukturelle Konsolidierung als auf ein Sommerloch hin.

Crash-Spiele und Arcade-Formate: eine Lücke in den Daten

Was der iGaming Quartalsbericht nach Segmenten bislang nicht trennt, ist die wachsende Kategorie der sogenannten Crash-Games und Arcade-Wettformate. Diese Titel tauchen zunehmend in den Lobbys lizenzierter Anbieter auf und sprechen eine andere Zielgruppe an als klassische Video-Slots. Ein Beispiel für dieses Genre ist Chicken Road 2, ein Titel des Entwicklers InOut Games, der reflex-basierte Mechaniken mit schrittweise steigendem Multiplikator-Einsatzrisiko verbindet und damit näher an einer Spielhallenerfahrung liegt als an einem klassischen Einarmigen Banditen. Der Titel läuft mit einem RTP von 95,5 Prozent und ist in einem Demo-Modus verfügbar, bevor Echtgeld ins Spiel kommt. Ob solche Formate in der Kategorie „virtuelle Automatenspiele" mitgezählt werden oder irgendwo zwischen den Segmenten verschwinden, ist aus den veröffentlichten Daten nicht erkennbar. Das ist eine echte regulatorische Lücke, die die GGL früher oder später schließen muss, wenn sie ein sauberes Bild des Marktes zeichnen will.

Dabei ist die Frage nicht nur buchhalterischer Natur. Crash-Games funktionieren nach einer anderen Risikostruktur als Slots. Der Spieler entscheidet aktiv, wann er aussteigt, was ein Kontrollgefühl erzeugt, das bei klassischen Automaten fehlt. Ob dieses Kontrollgefühl suchtpsychologisch günstig oder ungünstig ist, dazu gibt es noch wenig belastbare Forschung im deutschen Kontext. Genau deshalb wäre eine separate Erfassung sinnvoll.

Was die Transparenz bringt – und was sie noch schuldet

Es wäre unfair, die GGL-Daten kleinzureden. Die quartalsweise Veröffentlichung aus Halle (Saale), wo die Behörde ihren Sitz hat, ist ein echter Fortschritt gegenüber dem Zustand vor drei Jahren, als verlässliche Zahlen zum regulierten deutschen Markt schlicht nicht existierten. Ich erinnere mich an Gespräche mit Branchenvertretern, die selbst nicht sagen konnten, wie groß ihr tatsächlich lizenzierter Marktanteil war. Jetzt gibt es wenigstens eine Grundlage für Diskussionen. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 hat mit seiner Lizenz- und Transparenzpflicht genau diesen Rahmen geschaffen, und der GGL Marktmonitor ist das erste sichtbare Ergebnis davon.

Trotzdem bleibt die Datenlage an mehreren Stellen unvollständig. Die Zahlen zeigen Einsätze, aber keine Aussagen über tatsächliche Verluste oder Gewinne der Spieler, keine Altersverteilung, keine Angaben zur Nutzungshäufigkeit. Auch die Auszahlungsquoten der regulierten Online-Slots – also die RTP-Werte – tauchen im Bericht nicht auf, dabei wären sie für Verbraucher mindestens so relevant wie die reinen Einsatzzahlen. Für eine Behörde, deren Auftrag ausdrücklich den Spielerschutz umfasst, wäre das eigentlich der interessantere Teil der Geschichte. Sperrdatei, Einsatzlimit, Identitätsprüfung: All diese Instrumente greifen nur, wenn die Behörde auch weiß, wer sie wie oft umgeht.

Der Rückgang der Gesamteinsätze verdient zudem eine ehrliche Einordnung. Ein Teil geht vermutlich auf saisonale Effekte zurück. Ein anderer Teil könnte bedeuten, dass Spieler zu illegalen Anbietern im Schwarzmarkt abwandern, die außerhalb des GGL-Erfassungsrahmens liegen und deren Angebot weder Spielerschutzmechanismen noch überprüfbare Auszahlungsquoten kennt. Beide Möglichkeiten hätten unterschiedliche politische Konsequenzen. Die Daten allein beantworten diese Frage nicht.

Slots dominieren – aber warum eigentlich?

Die eigentlich spannende Frage hinter den Zahlen lautet: Warum wächst das Slot-Segment, obwohl der Gesamtmarkt schrumpft? Eine naheliegende Antwort ist, dass virtuelle Automatenspiele im regulierten deutschen Markt inzwischen konkurrenzfähiger sind als noch 2021 oder 2022. Die Einsatzlimits, die damals für erhebliche Kritik sorgten, scheinen Spieler nicht mehr so stark in Richtung Graumarkt zu treiben. Hinzu kommt, dass Zahlungsdienstleister wie PayPal oder Sofortüberweisung auf lizenzierten Plattformen reibungsloser funktionieren als bei zweifelhaften Offshore-Anbietern – ein praktischer Vorteil, den Spieler offenbar registrieren.

Was mich am meisten interessiert: Wie werden die Zahlen im nächsten Quartal aussehen, wenn Crash-Games und ähnliche Arcade-Formate weiter wachsen und die GGL immer noch keine separate Kategorie dafür hat? Die Behörde hat mit dem Marktmonitor einen guten Anfang gemacht. Ob sie schnell genug nachzieht, um neue Spielformen im iGaming systematisch zu erfassen, wird zeigen, ob diese Transparenz wirklich etwas verändert – oder ob der Schwarzmarkt illegaler Online-Casinos in Deutschland am Ende der einzige Bereich bleibt, über den niemand verlässliche Zahlen hat.